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Covid up to date: Erkennt¬nisse zur Über¬tragungs¬dynamik und Schluss¬folge¬rungen für die Zeit nach dem zweiten Lockdown

Zwei neue Studien zur Übertragungsdynamik erscheinen uns beachtenswert. In der in Nature Medicine als Kurzmitteilung veröffentlichten Studie von He et al. (https://www.nature.com/articles/s41591-020-0869-5) geht es um die Frage, wann bei SARS-CoV-2-Infizierten der Zeitpunkt der stärksten Virusausscheidung und wann das höchste Übertragungsrisiko besteht. Dazu haben die japanischen Autoren zwei unabhängige Patientenserien untersucht. In der ersten Serie von 94 Patienten bestimmten sie bei hospitalisierten COVID-19-Patienten über 32 Tage hinweg anhand von seriellen Rachenabstrichen die Virusausscheidung mithilfe der quantitativen PCR. In der zweiten Serie untersuchten sie 77 Übertragungspaare und ermittelten anhand des seriellen Intervalls (Zeitabstand zwischen Symptombeginn beim Infizierenden und Symptombeginn beim Infizierten) sowie der statistisch ermittelten Inkubationszeiten den jeweils wahrscheinlichen Übertragungszeitpunkt. Im Ergebnis schätzten die Autoren, dass die Infektiosität 2 bis 3 Tage vor Auftreten der Symptome beginnt und 0,7 Tage vor Symptombeginn ihren Peak erreicht. Innerhalb von 8 Tagen nach Symptombeginn nimmt die Virusausscheidung dann rapide ab. In der untersuchten Fallserie schätzten sie den Anteil der präsymptomatischen Transmission an allen Transmissionsereignissen auf 44 % (95 % Konfidenzintervall 25-69 %).

Die zweite Studie steht nur als Vorabdruck zur Verfügung und ist noch nicht Peer-reviewed (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.02.28.20029272v1.full.pdf). Die japanischen Autoren analysierten 110 COVID-19-Fälle in 11 Clustern hinsichtlich der Transmissionsketten und gingen dazu akribisch der Frage nach, wer wen angesteckt hat. 27 Fälle identifizierten sie als Primärfälle, bei den anderen handelte es sich um Sekundärfälle. Sodann analysierten sie die Orte, an denen die Übertragungsereignisse wahrscheinlich stattgefunden hatten. Dabei fanden sie heraus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung in einer geschlossenen Umgebung (geschlossene Räume wie Fitness-Studio, Restaurant, Krankenhaus oder Zelt) 18,7mal höher war als im Freien. Innerhalb des untersuchten Kollektivs identifizierten sie 7 Superspreader (Personen, die drei oder mehr Personen ansteckten). 6 Übertragungsereignisse mit jeweils 3 bis 12 Infizierten fanden in geschlossenen Räumen statt. Die Wahrscheinlichkeit eines Übertragungsereignisses durch Superspreader in geschlossenen Räumen war sogar 32,6mal höher als im Freien.

Insbesondere im Zusammenhang mit der wahrscheinlichen Übertragung durch Aerosole (Maßnahmen zur Vermeidung der Aerosolübertragung stehen im Mittelpunkt der antiepidemischen Maßnahmen nach dem Lockdown) erscheint es uns plausibel, dass in geschlossenen Räumen eine weit höhere Übertragungswahrscheinlichkeit besteht als im Freien. Dabei geht das höchste Übertragungsrisiko von sogenannten Superspreadern aus, die mehr Personen anstecken als nach der Basisreproduktionsrate (ca. 2,5) wahrscheinlich, während die meisten Infizierten keine Sekundärfälle verursachen. Da ein erheblicher Teil der Übertragungen vor Symptombeginn erfolgt, können solche Überträger auch durch Belehrungen bzw. Appelle nicht von möglichen Übertragungsorten ferngehalten werden. Diese Erkenntnisse gemahnen auch nach Ende des Lockdowns zwingend zur Aufrechterhaltung des Social Distancings, sowie zum Vermeiden von Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen. Da dort vermutlich von infektiösen Aerosolen die größte Gefahr ausgeht, sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um diese zu minimieren (regelmäßiges intensives Lüften, raumlufttechnische Anlage, UVC-Desinfektion). Restaurantbesuche bieten im Freien viel weniger Ansteckungsrisiken als in Innenräumen, Fitness-Studios dürften es schwer haben, die Infektionsrisiken in Innenräumen zu minimieren, da das Einhalten der Mindestabstände sowie regelmäßige Händedesinfektion allein nicht ausreichen, um das von raumständigen Aerosolen ausgehende Risiko wirksam zu unterbinden. Der bereits vor Symptombeginn erreichte Peak der Virusausscheidung und Ansteckungsfähigkeit hat Konsequenzen für das Kontakt-Tracing, da auf alle Fälle Kontakte des Zeitintervalls bis 3 Tage vor Symptombeginn mit einbezogen werden müssen. Geschieht dies nicht, wird das Kontakt-Tracing mit anschließender Quarantäne der Kontaktpersonen ineffizient. Die viel diskutierte Kontakt-Tracing-App könnte diesbezüglich außerordentlich hilfreich sein. Je effizienter die Kontakte von symptomatischen Patienten identifiziert werden, desto geringer wird auch die Übertragungswahrscheinlichkeit durch (noch) asymptomatische Superspreader, da diese als identifizierte Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt würden.

Falls Sie mehr darüber wissen möchten: www.coviduptodate.de

 

Prof. Dr. Patrick Scheid, Prof. Dr. Lothar Zöller, Dr. Thomas Klose